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Ziel meiner Diplomarbeit war es, Frank Zappa als zeitgenössischen, amerikanischen Komponisten des 20. Jahrhunderts zu porträtieren, und seine Position im Verhältnis zur Neuen Musik zu skizzieren. Hierbei sollte untersucht werden, wie Zappas Musikschaffen hauptsächlich von der Neuen Musik beeinflusst war, und er selbst als zeitgenössischer Komponist eine Musik erschuf, die ihrerseits als Neue Musik bezeichnet werden kann.
Die zu diesem Zweck gesammelten Quellen wurden in drei Kategorien - entsprechend den drei Hauptkapiteln - geordnet und verarbeitet:
a) Historisch (Kapitel 1) b) Systematisch (Kapitel 2) c) Rezeptionsgeschichtlich (Kapitel 3)
Das erste Kapitel befasst sich mit dem musikalischen Werdegang Frank Zappas.
Nachdem sein Interesse für Musik im Alter von ca. 12 Jahren erwacht war, begann Zappa vorerst, Schlagzeug zu lernen. Gleichzeitig bzw. kurze Zeit später beschäftigte er sich mit notierter Musik, und war vorerst vor allem vom graphischen Erscheinungsbild der Noten fasziniert, was ihn bald zu eigenen Kompositionen anregte. Das erste Stück, das Zappa ca. 1955 schrieb, trug den Titel “Mice” und war für die Marschtrommel konzipiert.
Etwa zur selben Zeit entdeckte Zappa die Musik von Edgard Varèse (“Ionisation”), der sein größtes Vorbild wurde, und kurze Zeit später Igor Strawinskys “Rite Of Spring”, von dem er nicht minder beeindruckt war.
Seine andere große Leidenschaft galt hingegen den Rhythm and Blues - Aufnahmen meist schwarzer Interpreten wie Clarence "Gatemouth" Brown. Ab 1955 spielte Zappa selbst Schlagzeug bzw. später Gitarre in diversen Bands, die sich dem Rhythm and Blues verschrieben hatten. In Zappas Vorliebe für Musik von Varèse und Strawinsky einerseits und Rhythm and Blues andererseits liegt einer der wichtigsten Schlüssel zum Verständnis seiner Musik.
Obwohl Zappa einige Kurse zum Thema Harmonielehre, Kontrapunkt etc. besuchte, erfolgte seine Ausbildung weitestgehend autodidaktisch. Er las Bücher wie Walter Pistons Harmony und studierte Partituren von Varèse, Strawinsky, Boulez und anderen. Gegenüber den konventionellen Regeln des Tonsatzes blieb er jedoch meist skeptisch bzw. ablehnend. Mit ca. 17 Jahren begann Zappa, in seinen Kompositionen auch die Zwölftontechnik einzusetzen, wozu er durch die Musik von Anton Webern inspiriert wurde, dessen Symphonie op.21 ihn besonders beeindruckte. Infolgedessen stieß Zappa auch erstmals auf die Musik von Arnold Schönberg und Alban Berg und die serielle Musik von Pierre Boulez und anderen. Trotz eingehender Beschäftigung mit den Konstruktionsprinzipien der Zwölftonmusik (dokumentiert durch das 1958 Stück “Waltz For Guitar”) war Zappa schließlich von den Ergebnissen seiner diesbezüglichen Experimente enttäuscht, sodass er nach anderen Möglichkeiten suchte. Bald hörte er von den Konzepten von John Cage und Pierre Schaeffer (Musique concrète), und verschaffte sich weitere Informationen.
Nach dem Ende seiner Schulzeit versuchte Frank Zappa sich zuerst als Filmmusik-Komponist (“Run Home Slow”, “The World Greatest Sinner”), war aber zur Bestreitung seines Lebensunterhaltes auf Gelegenheitsjobs und die Darbietung von Barmusik angewiesen. Ab 1962 hatte er dann aber die Gelegenheit, in einem Tonstudio zu arbeiten. Dieses Studio konnte er einige Zeit später kaufen, er nannte es “Studio Z”. Hier erlernte Zappa die Aufnahmetechnik von der Pike auf, was für seine weiter Karriere von großer Bedeutung war. Er feilte außerdem an einem Konzept, um in Zukunft als Komponist in Amerika überleben zu können. Die Eckpfeiler, auf denen Zappa seine Karriere errichten wollte, waren die Neue Musik, die amerikanische Unterhaltungsmusik, modernste Musikproduktionstechnik und künstlerische Unabhängigkeit. Er machte sich Varéses Ausspruch "The present day composers refuse to die" zum Leitsatz und sorgte für die Umgebung und die Voraussetzungen, durch die er von seiner Musik in Amerika leben konnte. Zappa machte sich die Mechanismen des Marktes durch seinen Eintritt in die Welt des Showbusiness geschickt zunutze. Von dem Geld, das er mit Rockmusik verdiente, konnte er seine darüber hinaus gehenden Ambitionen verwirklichen, die sowohl ausgezeichnete Musiker als auch modernste Aufnahmetechnik voraussetzten, und daher auch finanziell gesehen äußerst aufwendig waren […]
Meiner Meinung nach ist es der Komponist Frank Zappa wert, von der Musikwissenschaft entdeckt und ernst genommen zu werden. Seine Position in der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts ist in vielerlei Hinsicht einzigartig und wichtig. Die Qualität seiner Kompositionen fand Anerkennung durch Kapazitäten der Neuen Musik wie Pierre Boulez, Nicolas Slonimsky und Kent Nagano. Als Grenzgänger zwischen den Musikstilen war er erstaunlich erfolgreich und überzeugend, als Komponist innovativ, wagemutig und dabei äußerst produktiv. Seine Leistungen alleine auf technischem Gebiet würden eine eigene Abhandlung rechtfertigen, nebenbei war er als selbstständiger Unternehmer in Sachen Musik erfolgreich. All dies kommt nicht von ungefähr, sondern ist das Resultat von Zappas lebenslanger Begeisterung für die Musik.
Time Magazine- Nachruf: "It may now be easier to appreciate an often overlooked fact about Francis Vincent Zappa: he was the most protean and adventurous American composer of his generation [...] At his best [...] Zappa fused two seemingly irreconcilable 20th century musical strains; his masterpiece, Absolutely Free (1967), is a dazzling merge of Stravinsky and Varese with rock and rhythm and blues [...]"
Nicolas Slonimsky 1992: "He does beautiful, beautiful work; he has beautiful ideas. It has been my luck to have lived to see the emergence of this totally new type of music [...] Zappa sticks to 12 different notes and 11 different intervals. What he does with them in terms of organization is what is so far, far from traditional approaches. That´s the secret of his greatness. But, of course, he is very careful. He doesn´t just throw things together without any order or without a plan of what to do next. He´s a remarkable man."
Pierre Boulez 1994: "As a musician he was an exceptional figure because he was of two worlds: the pop world and the classical world. That´s not a very easy position because you are regarded by both camps as traitor. His musicianship was very extensive. He did not say much but he knew much more than one could have thought. Of course he had an envelope of humor and sarcasm sometimes. But deep in himself he was a very warm and friendly person. I think his pop work will survive because it is very characteristic of a period. And I think his serious work will survive.”
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