Thomas Krampl Backstage
Treppe C

Dissertation:

- Entwicklung einer Analysemethode für erweitert-tonale Musik am Beispiel von Arnold Schönberg und

- Analyse von Arnold Schönbergs Zweiter Kammersymphonie Opus 38

von Thomas Krampl

Zusammenfassung

--> English Abstract

Diese Dissertation beinhaltet in ihrem Hauptteil eine detaillierte Analyse der Zweiten Kammersymphonie op.38 von Arnold Schönberg. Während auch die außergewöhnliche Entstehungsgeschichte, die Form und die vielfältigen motivischen und thematischen Querbezüge dieses Werks erörtert werden, liegt der Schwerpunkt auf der harmonischen Analyse, die unter anderem den Versuch unternimmt, auf die Frage der tonalen Funktion in einer Umgebung wandernder Harmonien einzugehen. Die Zweite Kammersymphonie, begonnen 1906, aber erst 33 Jahre später vollendet, bietet in diesem Zusammenhang ein Beispiel sowohl für den frühen Stil Schönbergs, der durch den Einsatz erweiterter Tonalität charakterisiert ist, als auch für seinen „neo-tonalen“ Stil, den er in den späten 1930er Jahren entwickelte, und der die erweiterte Tonalität mit Elementen der Zwölftontechnik zu kombinieren scheint. 

Die im ersten Teil dieser Arbeit vorgestellte neue Analysemethode basiert einerseits auf Schönbergs eigenen Schriften wie “Harmonielehre“ und „Structural Functions of Harmony“ und greift andererseits auch auf Akkordkategorien zurück, die ursprünglich von Jan Maegaard (in seinen „Studien zur Entwicklung des dodekaphonen Satzes bei Arnold Schönberg“) eingeführt wurden. Ausgehend von der Erörterung des Begriffes von Tonalität und Funktion wird dabei zuerst Schönbergs eigene Variante der funktionalen Analyse dargestellt. Eine weitergehende, systematische Beschäftigung mit den von Schönberg verwendeten Klängen der erweiterten Tonalität führt über Akkorderweiterungen und harmoniefremde Töne, vagierende Akkorde und wandernde Harmonie zu neuartigen Kategorien wie Quarten- und Ganztonakkorden, Halbtonhäufungen und „multitonen“ Akkorden, die jeweils besprochen und in die Analysemethode eingearbeitet werden.

Im zweiten Teil wird zunächst die bemerkenswerte Entstehungsgeschichte der Zweiten Kammersymphonie geschildert. Die verschiedenen Kompositionsphasen sowie der programmatische Text Wendepunkt werden unter Berücksichtigung der Quellenlage durchleuchtet und chronologisch geordnet. Anschließend erfolgt die Analyse der beiden Sätze des Werkes jeweils hinsichtlich ihrer Form, ihrer motivisch-thematischen Disposition und ihrer Harmonik (mittels der im ersten Teil entwickelten Methode).

Der düstere erste Satz (Adagio, es-Moll) besteht formal aus drei Teilen und einer Coda (A – B – A´ – Coda), wobei im A- und B-Teil jeweils zwei Themen exponiert und verarbeitet werden (Themen I, II, III, IV). Dabei sticht das Thema I als eindeutiges Hauptthema der Kammersymphonie hervor, aus dem alles andere abgeleitet scheint. Auf der harmonischen Ebene arbeitet Schönberg zwar mit relativ konventionellen Akkorden, setzt diese aber derart zueinander in Beziehung, dass kaum einmal eine funktionale Richtung entsteht, sondern über weite Strecken des ersten Satzes wandernde Harmonie vorherrscht. In der Coda ist der schon im Hauptthema angelegte Gegensatz zwischen den divergierenden Tonarten es-Moll und a-Moll herausgearbeitet, der auch im zweiten Satz eine wichtige Rolle spielt.

Der zweite Satz (Con fuoco, G-Dur) stellt in seiner scherzoartigen Heiterkeit einen deutlichen Kontrast zum ersten dar. Formal gesehen kann er zwar in ein Sonatensatzschema eingepasst werden, weist jedoch in seiner flexiblen motivisch-thematischen Anlage vor allem den Charakter einer Durchführung auf, was in großformalem Zusammenhang die abschließende Wiederkehr des ersten Satzes vorbereitet. Insgesamt ist auch hier das Hauptthema (Thema V) die wichtigste Quelle für die vielfältigen motivischen Variationen, welche den weiteren Verlauf des Satzes prägen. Takt 309 (wo Schönberg 1939 weiter komponierte) markiert einen wichtigen Einschnitt: ab hier gibt es immer deutlichere Rückgriffe auf den ersten Satz, der abschließend in einer Art großformaler Reprise endgültig wieder zum Vorschein kommt und das Werk in seine düstere Ausgangslage zurückversetzt. Auf der Ebene der Harmonik vermeidet Schönberg (im zweiten Satz noch konsequenter als im ersten) weiterhin klare tonale Bezüge. Die Zusammenklänge erscheinen dabei jedoch generell noch gewagter und freier, was jeweils auch ein Licht auf das Entstehungsdatum der betreffenden Abschnitte wirft. In den erst 1939 komponierten Teilen der Kammersymphonie lässt sich eine nochmalige Verfeinerung der harmonischen Methoden Schönbergs feststellen, wenn inmitten tonaler Zusammenklänge auch vermehrt serielles Denken zum Vorschein kommt.

Für das weitere Informationen bitte auf die nebenstehenden PDF-Symbole Klicken:

Inhalt

Titelblatt